Deutsche Bank Research: „Libra bedroht die etablierten Hüter des Geldes“

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06. September 2019
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Redaktion RISIKO MANAGER

Nach Auffassung von Heike Mai vom Research der Deutschen Bank muss die von Facebook geplante Digitalwährung Libra noch viele Hürden nehmen, um Erfolg zu haben. Es sei noch viel zu früh, um zu bewerten, ob Libra das Zeug zur Weltwährung habe, teilte die Deutsche Bank am Freitag in Frankfurt am Main mit. Wenn sich die Digitalwährung durchsetzen sollte, liege das Disruptionspotenzial bei sieben auf einer Skala von eins bis zehn, betonte die Expertin für Zahlungsverkehr und Schattenbanken. Doch auch dann werde Libra die offiziellen Währungen wahrscheinlich nicht ersetzen, sondern ergänzen.

Die Expertin skizzierte zudem die Herausforderungen für die Finanzbranche und die Regierungen. „Libra bedroht die etablierten Hüter des Geldes, also die Notenbanken, und jene Regierungen, die die Notenbanken durch ihre Verschuldungspolitik und fehlenden Strukturreformen der vergangenen Jahre praktisch in Geiselhaft genommen und die niedrigen Zinsen notwendig gemacht haben“, erklärte sie. Auch Banken seien potenziell gefährdet, denn Libra sei in der Lage, ihnen einen Teil der Refinanzierung durch Kundeneinlagen zu entziehen. Daher würden gerade die Aufsichtsbehörden und die Regulierer sehr kritisch auf Libra schauen. Es werde nicht einfach sein, sie zu überzeugen, dass Libra überhaupt an den Start gehen dürfe.

Mai äußerte sich darüber hinaus zu der Frage, wie stark Libra reguliert werden müsse. Hierbei solle wie immer der Grundsatz „gleiches Geschäft, gleiche Regulierung“ gelten. Die Regulierer sollten Innovationen im Finanzsektor grundsätzlich eine Chance geben und sie nicht von vornherein verbieten. Es brauche jedoch klare Regeln. Libra müsse alle relevanten Anforderungen erfüllen, zum Beispiel, was Gesetze zum Zahlungsverkehr oder Geldwäsche-Prävention betreffe, und nicht zuletzt, was die Verwendung von privaten Daten angehe. Schließlich sei Facebook keine gemeinnützige Organisation, sondern wolle Gewinn machen. (ud)

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