EONIA geht und ESTER (€STR) kommt

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09. April 2019
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Jochen Beißer, Oliver Read

Die Reform der Referenzzinssätze bringt gravierende Probleme mit sich für die Finanzmarktteilnehmer. Ab dem 1. Januar 2020 dürfen EURIBOR und EONIA in ihrer aktuellen Form nicht mehr als Referenzzinssätze für Neugeschäft verwendet werden, da sie grundlegende Anforderungen der Anfang Januar 2018 in Kraft getretenen Benchmark-Verordnung (EU) 2016/1011 nicht erfüllen. Auf dem Weg einer Benchmark-konformen Umgestaltung von EURIBOR und EONIA sind die damit befassten Arbeitsgruppen unterschiedlich weit vorangekommen. Während es inzwischen mit dem Euro Short-Term Rate (ESTER) einen konkreten Alternativzins zu EONIA gibt, fehlt ein solcher noch immer für EURIBOR. Auch außerhalb der Europäischen Union (EU) gibt es Anstrengungen, bisherige Zinsbenchmarks zu reformieren.

Die Einführung neuer Referenzzinssätze ist in wichtigen Währungsräumen wie in Großbritannien, der Schweiz, Japan und den USA weiter vorangeschritten als im Euroraum. Die neuen Referenzzinssätze sind dort schon bekannt. In den USA hat die Terminbörse CME sogar schon den Handel mit ersten Futures auf den neuen Referenzzins SOFR aufgenommen.

Arbeitsgruppe zur EONIA-Nachfolge

Auch der Tagesgeldzinssatz EONIA erfüllt wesentliche Anforderungen der Benchmark-Verordnung nicht. Der EONIA-Administrator EMMI kam nach einer Analyse des Marktes im Februar 2018 zu dem Schluss, dass vor dem Hintergrund der aktuellen Marktbedingungen eine Überarbeitung des EONIA nicht sinnvoll sei. Folglich darf EONIA ab 2020 als Zinsbenchmark nicht mehr in Neuverträgen verwendet werden.

Schon im September 2017 rief die Europäische Zentralbank (EZB) zusammen mit der belgischen Aufsichtsbehörde Financial Services and Markets Authority (FSMA), der European Securities and Markets Authority (ESMA) sowie der Europäischen Kommission eine Arbeitsgruppe mit dem Titel Working Group on Euro Risk-Free Rates (WG-ERFR) ins Leben. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus Vertretern der Finanzmarktbranche sowie Beobachtern der oben genannten Institutionen zusammen und hat drei wesentliche Ziele: [vgl. ECB 2017b, S. 3 f.]

  • Identifikation alternativer risikoloser Euro Zinssätze. Diese Zinssätze sollen für eine Anwendung in Derivaten und anderen Finanzkontrakten geeignet sein und sowohl die IOSCO Leitlinien für Financial Benchmarks [vgl. IOSCO 2013] als auch die Benchmark-Verordnung erfüllen.
  • Identifikation von Best-Practice-Standards in Bezug auf die Robustheit von Benchmark-basierten Verträgen. Dies soll helfen, Finanzkontrakte so auszugestalten, dass beim Auslaufen oder bei einer gravierenden Änderung bzw. einem Ersatz der aktuellen Zinsbenchmark weiterhin Rechtssicherheit für die Vertragsparteien gegeben ist.
  • Entwicklung eines Vorgehens, wie bei einer Umstellung auf neue Zinsbenchmarks vorzugehen ist.

Im April 2018 veröffentlichte die Arbeitsgruppe zunächst eine Liste mit zwölf von ihr festgelegten Kriterien, nach der die Auswahl eines risikolosen Euro Zinssatzes erfolgen soll.

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[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 03/2019. Die Ausgabe ist seit dem 27. März 2019 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:
Prof. Dr. Jochen Beißer
war im Bankensektor tätig und ist Professor für Finanzierung und Investition an der Wiesbaden Business School, Hochschule RheinMain University of Applied Sciences.
Prof. Dr. Oliver Read
war im Bankensektor tätig und ist Professor für Finanzierung an der Wiesbaden Business School, Hochschule RheinMain University of Applied Sciences.

Bildquelle: ©Tom Merton | istockphoto.com